Dein Partner ist nicht dazu da, um dich glücklich zu machen!

Keine Ahnung warum genau, aber mein Mann nennt mich gerne “Spatz” – nicht Schatz – nein Spatz. Und das seitdem wir in Deutschland sind, denn er findet Spatzen äußerst niedlich. Irgendwie schön.

Bei den Spatzen entscheidet einzig und allein das Weibchen, ob sie sich auf das Männchen einlässt und das aufgrund von zwei Kriterien: Das Angebot eines möglichst geschützten Nistplatzes und sein überzeugendes Talent beim Zwitschern.

Aber wonach suchen wir uns eigentlich einen Partner aus?

Was sind die Eigenschaften und Besonderheiten auf die wir schauen? Das Aussehen, ein besonderes Talent, Humor? Ehrgeiz, Intellekt oder gar der Kontoauszug? Verbindende Werte, Glaube und andere Gemeinsamkeiten? Oder auch die Unterschiede? Freundschaft und viele miteinander geteilte Momente? Der Charakter? Sicherheit und Geborgenheit? Das gewisse Etwas? Der erste Kuss und darauffolgende Sex? Die Wohnungseinrichtung, das Bücherregal, die Kochkünste?

Was steht auf deiner Liste?

Als ich Anfang zwanzig war, hatte ich eine Liste, die um die 30 verschiedene Kriterien hatte. Natürlich wusste ich ganz genau, was ich wollte und was nicht mehr, denn ich hatte ja bereits zwei Beziehungen hinter mir. Diese Liste habe ich dann in eine Schachtel gepackt und darauf gehofft, dass ich sie irgendwann wieder herausholen und mit meinem zukünftigen Partner vergleichen kann. So was wie eine Checkliste. Tick, tick, tick und tick. Diese Liste ist mit den Jahren auf ein paar wenige Attribute geschrumpft, was nicht bedeutet, dass ich nicht einen wunderbaren Mann bekommen habe. Das habe ich. Aber ich habe auch festgestellt, dass ein Mensch mir nicht unaufhörlich das geben kann, was ich mir wünsche.

Letztlich ist es doch genau das, was wir uns von einem Partner erhoffen. All die Punkte auf unserer wirklich existierenden oder auch nur imaginären Liste führen zu der einen Sache, dem einen Wunsch, der einen Hoffnung, dass dieser “Traumpartner” uns glücklich machen wird.

 

Doch Partnerschaft ist nicht dazu da, um dich glücklich zu machen, sondern um dir zu helfen, ein besserer Mensch zu werden.

 

Definition Glück: Die angenehme und freudige Gemütsverfassung, in der man sich befindet, wenn man in den Besitz oder Genuss von etwas kommt, was man sich gewünscht hat; Zustand der inneren Befriedigung und Hochstimmung.

Wir alle wissen es, doch irgendwie glauben wir es nicht – dass das persönliche Glück “der Zustand der inneren Befriedigung und Hochstimmung” nicht wirklich davon abhängig ist, was wir besitzen, wer wir sind, was wir tun oder auch mit wem wir zusammen sind.

Ich habe bei meinen Besuchen in Indien so viele Menschen kennengelernt, die viel weniger besitzen, 7 Tage die Woche schufften, selten wenn überhaupt mal verreisen und zudem arrangiert verheiratet wurden und dennoch unglaublich großherzig und großzügig leben und lieben. Sie wirkten nicht unglücklich, auch wenn sie nie in ihrem Leben all das bekommen werden, was sie sich vielleicht wünschen würden, wenn sie es könnten.

Und dann erlebe ich Menschen in meinem Alltag hier in Deutschland – und da beziehe ich mich mit ein – die weitaus mehr bekommen haben und trotzdem nie ganz zufrieden damit sind. Unser Unglücklichsein zeigt sich unter anderem darin, dass wir den Kleiderschrank öffnen und mit ganzer Überzeugung behaupten, dass wir nichts zum Anziehen hätten. Dass wir Essen, worauf wir gerade mal keinen Appetit haben, einfach im Kühlschrank  vergammeln lassen, um dann im Mülleimer zu landen. Dass eine Seite Lebenslauf nach weniger als 10 Jahren Berufserfahrung nicht mehr ausreicht. Und dass wir unglaublich hohe Ansprüche an unsere Partner stellen, die wir kaum selbst erfüllen können.

Wie eben genau den Anspruch, dass er/sie mich glücklich zu machen hat.

Schon mal diesen Gedanken gehabt oder vielleicht sogar auch ausgesprochen?

Also ich schaffe das nicht. Ich kann und werde niemals meinen Mann dauerhaft glücklich machen. Ich kann und werde nicht annähernd alle seine Wünsche von seinen Lippen ablesen und sie dann auch noch erfüllen. Das will ich auch gar nicht. Denn dann müsste ich zuallererst einmal damit anfangen, jeden Abend für ihn zu kochen und das, ohne irgendwelche Fertigprodukte zu benutzen. Es soll sie ja noch geben. Frauen, die mit Leib und Seele überzeugte Hausfrauen und Mütter sind. Die liebend gerne Kochbücher wälzen, Rezepte bei Pinterest pinnen und Martha Steward vergöttern. Also, ich nicht! Ich koche. Manchmal gerne. Oft nicht.

Und so gibt es einige Dinge, die ich tun und lassen sollte, damit mein Mann sich mehr geliebt fühlen würde. Sein lassen: Das Abkauen der Haut an der Seite meiner Fingernägel, das Verfallenlassen von Milchprodukten im Kühlschrank (so wie gerade gestern), das Mit-den-Augen-Rollen, wenn ich genervt bin, das …

Die To Do Liste fang ich gar nicht erst an zu schreiben.

Natürlich will ich ihn nicht unnötig verletzen oder gar bewusst verärgern. Aber ich weiß auch, dass ich nicht permanent für seinen inneren Gefühlszustand verantwortlich bin. Und er nicht für meinen!

Es gibt einen Wert bei uns in der Familie, an den wir uns immer wieder gerne gegenseitig erinnern.

Wir sind unser größter Fan und unser größter Kritiker zugleich!

Das ist in gewissen Zeiten, was ganz tolles, in anderen tut es auch mal verdammt weh! Wir feiern einander, ermutigen einander, stehen füreinander ein und ja lieben einander und genauso gerne fordern wir einander heraus.  Denn kaum jemand sieht mich so authentisch wie mein Mann. Er kennt Dinge von mir, die ich hier ganz sicher nicht preisgeben werde. Er weiß, wie ich morgends vor dem Zähneputzen aussehe, kennt meine Tischmanieren, wenn keiner hinschaut. Er sieht mich ungeschminkt und nackt – emotional und physisch. Und da er mir versprochen hat – in guten wie in schlechten Zeiten – an meiner Seite zu bleiben, kann ich ihm vertrauen und mich so zeigen, wie ich wirklich bin.

Aber da ich nicht so bleiben möchte, wie ich jetzt in diesem Moment bin, sondern den Wunsch habe, mich stetig positiv weiterzuentwickeln, ist er auch mein größter Kritiker. Er darf mir sagen, was er sieht, was er wahrnimmt und wo ich mich irre. Er darf mir den Spiegel vor mein Gesicht halten und mich mit meinen nicht so schönen Angewohnheiten konfrontieren, damit ich mir Stück für Stück das ein oder andere wieder abgewöhne, neue und bessere Gewohnheiten entwickel und zu einem besseren Ich werden darf. Genau das gleiche tue ich für ihn. Das klappt natürlich nicht immer, eher selten,  ohne die ein oder andere Spannung. Denn wer lässt sich schon gerne kritisieren!?

Mein Ehemann ist Zeuge meines Lebens.

Er kennt mich besser, als jeder andere Mensch es je tun wird. Er glaubt an mich und er sieht Dinge, die auch für mich manchmal noch verborgen sind. Und er hilft mir dabei, diese zu erkennen.

Und möglicherweise ist genau das der Schlüssel, der Weg, die Offenbarung zum persönlichen Glück. Vielleicht brauchen wir diesen einen besonderen Jemand an unserer Seite, der uns dabei hilft, uns besser zu erkennen, neue und bessere Entscheidungen zu treffen, alte Gewohnheiten mit neuen zu tauschen, an unserem Charakter zu feilen, um dann, vielleicht dann unser ganzes Potential zu entfalten und damit zufriedener und ausgeglichener zu werden.

Dein Partner ist nicht dazu da, um dich glücklich zu machen. Aber er kann, indem er dir aufzeigt, wie du zu deinem besseren Ich wirst, dir ebenso helfen, auch ein glücklicherer Mensch zu werden.

Wir alle entwickeln uns weiter. Wie verändern uns im Leben. Einige Dinge lassen sich einfacher ändern als andere. Aber niemand von uns wird eines Tages zwanzig Jahre zurückschauen und sagen können, dass er noch genau dieselbe Person ist, wie er es damals war. Deine Partnerwahl hat eine enorme Auswirkung darauf, wohin der Lauf deines Lebens dich bringen wird. Du kannst ihn damit ein Stück weit beeinflussen.

Welche Kriterien bei der Partnerwahl sind dennoch relevant? Und wie kommt es, dass ich meine Traumpartnerliste so enorm reduzieren konnte?

Dazu mehr in meinem nächsten Blogeintrag!

 

Bis bald. Eure Lotte

 

 

 

 

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