„Heroin kann ich zu einem bestimmten Preis einmal verkaufen, eine junge Frau bis zu 40 Mal am Tag. Sehr viel rentabler.“

Ja, da bin ich also und schreibe als 34 jähriger Single für einen Blog, in dem es um Liebe und Beziehung geht. Aber nicht über das naheliegende Thema sondern über Menschenhandel und Zwangsprostitution.

Ich würde mich gerne kurz vorstellen, damit du überhaupt eine Ahnung hast, wer ich bin.

EeFN68BYtoqtvyF3TX4ROxM7uCTo83JzosXb6oIJ5MJpTVhAiz1AHDwDiYi-0ytKuMheX92mjE-hL_HSDB_sJwXqZprL-5jV7i3XQV7dXDcISAtyPfZGfmu4gBWUZH_mMk8TSoAeW2CpzDW8Hhcejryv2_5pj7DZDIe023vb8vbVtJzDP5ErBkID1SWkTelmZI2Wu8R80D7a9KkNbuMein Name ist Frauke. Ich komme aus einer Kleinstadt in der Nähe von Düsseldorf und habe in den letzten Jahren so hier und dort gelebt. 2008 bin ich für 2 Jahre nach Sydney gegangen, um dort am Hillsong International Leadership College zu studieren. Danach folgte ich meinem Ruf und zog in einen klitzekleinen Ort in Norwegen, um dort mit den Jugendlichen einer kleinen Gemeinde zu arbeiten.

Nach 2 sehr herausfordernden und lehrreichen Jahren zog ich in eine größere Stadt an der Westküste Norwegens, um mich dort in einer recht jungen Kirche zu engagieren und außerdem mit minderjährigen Flüchtlingen zu arbeiten. Weihnachten 2013 bin ich nach fast 6 Jahren im Ausland wieder zurück nach Düsseldorf gekommen. Hier baue ich aktiv meine Kirche – Hillsong – in Düsseldorf und verdiene mein Geld  in einer Organisation, die sich um seelisch und geistig behinderten Jugendlichen kümmern.

Aber zurück zum Thema: Wie alles angefangen hat, magst du dich vielleicht fragen – meine Leidenschaft für den Kampf gegen Menschenhandel. Bin ich eines morgends mit einem brennenden Herz für das Thema aufgewacht? Ganz so war es nicht!

Aber ich erinnere mich noch gut an den Tag. Es war 2009 im australischen Herbst (Mai/juni). Ich saß in einem Meeting für die Frauenkonferenz der Kirche (Colour Conference) mit Christine Caine, der Gründerin der A21 Campaign. Sie berichtete darüber, was sie am meisten schockierte: Die Tatsache, dass jeden Tag Frauen verschwinden. Dass sie mit falschen Versprechungen gelockt und dann verschleppt würden.

Alles mit einem Ziel – ihren Körper zu verkaufen!

Und das bis zu 40 Mal am Tag!

Dieser Moment hat mein Leben verändert. Er hat mir offenbart, warum ich hier bin und wofür ich kämpfen darf.

Klar wusste ich zu diesem Zeitpunkt bereits, dass es viel Unrecht auf dieser Welt gibt – Gewalt, Hunger, Leid, Mißbrauch…aber das Ausmaß dieses Verbrechens hätte ich mir so niemals vorgestellt.

Hier ein paar Fakten: Menschenhandel ist die am schnellsten wachsende kriminelle Industrie. Alle 30 Sekunden wird jemand ein neues Opfer von Menschenhandel. Zur Zeit haben wir mehr Sklaven in der Welt, als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. Geschätzt sind es circa 27 Millionen Menschen, davon viele Frauen und Kinder. Leider werden nur ca 1-2 % der Opfer gerettet.

Ernüchternde Zahlen, oder?! Die schnell aufkochenden Emotionen wieder abkühlen lassen und die Frage stellt, was man eigentlich wirklich dagegen unternehmen kann. Was MICH letztlich bewegt hat, meine Zeit gegen Menschenhandel und insbesondere die sexuelle Ausbeutung von Frauen und Kindern einzusetzen, ist die Tatsache, dass es zu jeder dieser Zahlen ein Gesicht, eine Geschichte, eine Hoffnung gibt. Ich kämpfe dafür, dass die Zukunft einer Frau, die ihr genommen wurde, wieder lebendig und positiv erfahrbar wird.

„Heroin kann ich zu einem bestimmten Preis einmal verkaufen, eine junge Frau bis zu 40 Mal am Tag. Sehr viel rentabler.“

Die schockierende aber ehrliche Antwort eines Menschenhändlers auf die Frage, warum er dieses grausame Business betreibe.

Nach wie vor haben wir leider folgende Situation in Deutschland: Viele Menschen sind unwissend! Sie verharmlosen Prostitution und romantisieren das Gewerbe mit seinem Status, das älteste der Welt zu sein. Dazu kam vor einigen Jahren die politisch gut gemeinte gesetzliche Veränderung in Deutschland. Prostitution wurde legal. Dies war zum Schutz für Prostituierte gedacht, führte aber bedauerlicherweise dazu, dass jetzt „Hinz und Kunz“ in jedem Hinterzimmer ein Gewerbe anmelden kann, um dort Mädchen für sich arbeiten zu lassen.

Die einzige Möglichkeit, die meist unzumutbaren Bedingungen der Frauen zu beenden, ist das Aufdecken von nicht vorhandenden Visen, Aufenthaltsgenehmigungen oder minderjährigen Mädchen im Sexbusiness. Es gibt haufenweise Statistiken, die je nachdem welche Seite der Prostitution beleuchtet wird, die eine oder andere Seite bekräftigt. Zum Beispiel fragt man sich immer wieder (ich zumindest!), wie viele Prostituierte prozentual in Deutschland selbstbestimmt arbeiten. Vor ein paar Jahren hatte ich die Ehre mit dem Polizeipräsidenten, der für die Arbeit gegen Menschenhandel in Europa zuständig ist, zu sprechen. Er vermutet, dass 99,9 Prozent der Frauen nicht eigenverantwortlich handeln.

Ich frage mich andauernd, warum jede einzelne Prostituierte, dort gelandet ist, wo sie jetzt ist. Ich wünsche mir oft, dass ich in einem anderen Leben eine furchtlose Anwältin werde, die jeden dieser Menschenhändler für viele Jahre hinter Gitter bringt und den Frauen zu einer neuen hoffnungsvollen Zukunft verhilft. Aber ich habe nur dieses eine Leben, bin wirklich gerne Erzieherin und habe zudem kein Jurastudium in der Tasche. Meine Realität sieht also anders aus. Und trotzdem kann ich – genauso wie Du – etwas machen.

Das Thema ansprechen. Aufklären. Mobilisieren.

Neben Organisationen wie „The A21 Campaign“, welche international mit wichtigen Politikern zusammen arbeitet und so durch Aufklärungsarbeit schnelle Fortschritte erzielt, gibt es viele andere lokale Projekte, die in Deutschland vorort Prostituierten helfen wollen. In Düsseldorf stehe ich im engen Kontakt mit einer Arbeit des SKFM, der sich „Knackpunkt“ nennt und mit den Strassenprostituierten um den Haupbahnhof Kontakt aufnimmt. Hier bestimmt die Droge Heroin das Tagesgeschäft und die Gefahren der Strasse das Leben der oft sehr jungen Frauen.

Immer wieder bin ich Zeuge davon, wenn ich spät abends vor dem „Knackpunkt“ stehe und den Mitarbeitern dort unsere „Gütetüten“ (Papiertüten gefüllt mit Pflegeprodukten, Süssigkeiten, neuer Unterwäsche, die wir Frauen in der Kirche sammeln) überreiche, dass Männer vornehmlich in Luxuskarossen vorbeifahren, um die jungen Mädels vom Straßenstrich in ihr Auto einzuladen.

Dieses Gefühl – eine Mischung aus unsagbarer Wut gegenüber den Freiern, die sich Sex mit Mädchen erkaufen, die ihre Töchter sein könnten, um mit ihnen ihre eigenen Defizite auszugleichen und/oder perverse Sexfantasien auszuleben. Und dann wäre da noch das tiefe Mitgefühl gegenüber den Frauen, den Mädchen, deren Leben schon im Teenageralter so verbraucht und hoffnungslos erscheint und deren Träume und Hoffnungen in Drogen, Gewalt, Mißbrauch und Abhängigkeit ertrinken.

Wir sollten niemals die Umstände in unserer Welt einfach so akzeptieren, wenn es bedeutet, dass unsere Ignoranz zu bitteren Konsequenzen und Ungerechtigkeit im Leben von anderen Menschen führt. Mich macht es wütend, was ich sehe, höre und erlebe. Aber diese Wut bringt niemandem etwas, wenn sie nicht auch in Taten umschlägt.

Und wenn es um Menschenhandel und Zwangsprostitution geht, kann wirklich jeder von uns etwas dagegen unternehmen.

Aufklärung und Prävention sind dabei der erste und wichtige Ansatzpunkt.

Laut Umfragen, die vor einigen Jahren in Griechenland gemacht wurden – dort wird ein großer Teil der Frauen aus Osteuropa nach Nord- und Westeuropa eingeschleust – war es dort nur wenigen der Befragten bewusst, dass Prostitution fast immer auch Menschenhandel beeinhaltet.

Ich möchte euch heute ermutigen, euch näher mit diesem Thema auseinanderzusetzen, nicht die Augen blind davor zu verschließen, Fakten zu lesen, die real sind und weltweit Millionen von Menschen ihr Leben kosten.

Dazu gibt es gute und hilfreiche Informationen in Englisch auf der Website von A21 und auf Deutsch bei Gemeinsam gegen Menschenhandel zu finden.

Wenn ich den ein oder anderen von euch mehr als nur ein wenig geschockt habe, dann ist das eigentlich genau das, was ich erreichen wollte! Denn Menschenhandel und Zwangsprostitution ist schockierend, schmutzig und menschenunwürdig. Und genau deswegen träume ich davon, dass diese Frauen, dass dieses Thema immer mehr ins Licht geholt wird.

Denn jede dieser Frauen ist genauso wichtig wie du oder ich!

Much love, Frauke

 

 

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2 Gedanken zu “„Heroin kann ich zu einem bestimmten Preis einmal verkaufen, eine junge Frau bis zu 40 Mal am Tag. Sehr viel rentabler.“”

  1. Liebste Frauke klare Worte – unverblümt & real, so wie es da “draussen” aussieht! Es ist grossartig die Stimme zu erheben und nicht nur dass, Worte & Taten ! Super Artikel. Ich wünsche dir von Herzen, dass du dran bleibst und dich nicht durch Misserfolge frustrieren lässt sondern das jetzt noch nicht Sichtbare Sichtbar wird!! be blessed

  2. Hey Frauke! Danke für diesen Beitrag! Mir ging es genau so wie dir, als ich Christine Caine über A21 reden gehört habe. Und du hast Recht: Wut alleine führt zu nichts.
    Ich kontaktiere dich nochmal über fb – vielleicht kann ich konkret mithelfen.
    LG

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