Was passiert, wenn SEX im Fokus vor und während einer Partnerschaft steht.

Ich bin seit knapp 16 Monaten Mama. Während der Schwangerschaft habe ich das Gewicht meines Mannes deutlich und mit Leichtigkeit überholt. 20 Kilo hatte ich kurz vor der Entbindung extra. Diese Kilos sahen mit dicker Babymurmel noch echt süß aus und wirkten auch nicht so aufgetragen, waren allerdings hinterher mehr als nur zu spüren – ganz ehrlich, ich fühlte mich nicht mehr so sexy und attraktiv wie zuvor. Die weiten T-Shirts die vorher schön über meinem Bauch spannten, waren nun trostlose Säcke über meinem Restspeck, Muffintop, Babyfunden oder wie man es nennen will. Alle erzählten mir, wie leicht ich das wieder loswerde, wenn ich nur lang genug stille. Nichts da, ich gehöre zu einer von den wenigen Frauen, die eher noch beim Stillen zunimmt, wenn sie nicht ganz genau bei der Ernährung aufpasst. Fitnessstudio war dran für mich, nur fehlte mir dazu der Elan und die Energie.

Denn hinzu kamen wenig, sehr wenig, sehr sehr wenig Schlaf und ein wunderbares Mädchen, dass ich bis heute über alles liebe, mich aber extrem viel Ausdauer, Kraft und Nerven kostet – und ich habe von mehreren anderen Müttern gehört, dass ich ein pflegeleichtes Kind habe.

Also habe ich 7 Monate gestillt und mir dann Stück für Stück meinen Körper zurück erkämpft. Heute habe ich mein Ausgangsgewicht erreicht und passe endlich wieder in die meisten meiner Lieblingsteile rein.

Aber was genau hat das ganze mit meinem und deinem Sexualleben und Partnerschaft zu tun?

Mittlerweile hatte ich so einige innige, ehrliche und auch erfrischend lustige Gespräche mit Frauen, die vor kurzem Mutter geworden sind und deren Geschichte nach der Schwangerschaft sich so oder ähnlich anhört:

Ich fühle mich nicht mehr so sexy wie zuvor. Mein eigenes Spiegelbild turnt mich ab. Ich bin einfach endlos müde und sehne mich nach Tiefschlafphasen, die ich seit Monaten nicht mehr hatte. Mein Kind hält mich so auf Trapp, dass ich abends erschöpft aufs Sofa falle, wenn es denn dann endlich schläft. Ich bin einfach nur überfordert mit der neuen Situation. Und ja – ich habe kaum noch Lust auf Sex, obwohl ich meinen Mann sehr liebe.

Mir und vielen anderen frischgebackenen Mamas geht es oft so, dass sie, nachdem sie ihr Kind erfolgreich in den Nachtschlaf gewogen haben, am liebsten nur noch die Nummer des Pizza Lieferservices wählen wollen, anstatt für den Mann zu kochen, dann in den Schlabber-PJ schlüpfen und den Fernseher anschalten. Und wenn dann der Mann nach seinem 9 Stunden Arbeitstag im Büro mit einem Lächeln vorschlägt, gemeinsam unter die heiße Dusche zu springen, dann sinkt das Sex-Barometer bei uns eher als das es vor Vorfreude in die Höhe springt.

Heute ist auch so ein Abend. Die letzte Stunde hat meine Tochter nur noch gemeckert, ihr Essen vom Teller geschmissen, nochmal richtig in die Windel geschittert und zuletzt ist sie erschöpft auf meinem Bauch eingeschlafen und ich in Leggings auf der Couch gelandet, wo ich jetzt sitze und tippe. Mein Mann ist heute Abend im Fitnessstudio!

 

Es gibt im Leben verschiedene Phasen, die ähnliche Gefühle und Sexschwankungen bei Frau und Mann hervorrufen können. Schwere Krankheit. Depression. Existenzkrisen wie Arbeitslosigkeit. Druck auf der Arbeit. Stress in der Familie. Übergewicht. Sucht. Ein Unfall. Jeder Mensch reagiert unterschiedlich. Dennoch ist es nicht ausgeschlossen, dass es in jeder Beziehung Phasen geben wird, wo der eine oder andere für Wochen, Monate oder manchmal sogar Jahre kein Bedürfnis auf Sex hat oder einfach körperlich dazu nicht in der lage ist.

Was passiert, wenn SEX bisher, vorher und innerhalb der Beziehung, im Fokus war und nun einer nicht mehr kann oder will?

Was dann? Sucht man sich dann automatisch einen anderen Sexualpartner, während man emotional seinem Partner treu bleibt? Setzt man den Partner unter Druck, wenn er nicht will und erzwingt sich Sex? Entzieht man sich seinem Lebenspartner komplett und schottet sich ab? Oder läuft es möglicherweise sogar auf eine Trennung hinaus?

Vielleicht hast du bereits diese Erfahrung gemacht. Oder du steckst gerade mitten drin? Vielleicht war dein Sexleben bisher immer grandios und du kannst es dir nicht anders vorstellen. Oder du hattest noch nie Sex und willst unbedingt welchen haben. Vielleicht lernst du gerade Jemanden kennen. Oder du stehst gerade vor einem Beziehungsaus? Möglicherweise genau aus diesem Grund.

Ich möchte dich heute ermutigen und herausfordern, deinen Fokus auf Sex nochmal zu überdenken.

Keine Frage Sex ist toll. Für mich innerhalb einer verbindlichen andauernden Beziehung, in unserem Fall der Ehe. Ich wusste, dass meinem Mann sehr viel mehr daran lag, mich als Person richtig kennenzulernen, als mich so schnell wie möglich ins Bett zu kriegen. Ja, wir waren beide heiß drauf. Und ja, es gab Momente, da war es nicht einfach, nicht weiter zu gehen, als wir es miteinander entschieden hatten. Aber genau diese Disziplin hat auch wirkliche Vorteile – jetzt, da wir verheiratet sind und auch zusammenbleiben wollen.

 

Wenn es SEX ist, der dich in erster Linie dazu ermutigt eine Beziehung anzufangen, dann wird diese Beziehung nicht lange durchalten.

Wie ich in einem früheren Blogeintrag “Und was wenn der Schuh nicht passt?” bereits geschrieben habe, ist es nicht der Sex allein, der eine gute und andauernde Beziehung ausmacht. Da gehören weit mehr Faktoren hinzu, als nur die körperliche Anziehungskraft. Gerade in Krisen oder auch großen lebensverändernden Situationen, wie auch immer die aussehen mögen, kann es sein, dass Sex für mindestens eine Person in den Hintergrund rückt. Wenn das passiert und Sex bisher in der Beziehung eine wesentliche Rolle eingenommen hat, dann fällt die Beziehung auseinander wie ein Kartenhaus bei einem leichten Windstoß.

Wenn du dein Sexleben vorher nicht kontrollieren kannst, dann wirst du es hinterher auch nur schwierig können.

Wenn du nicht vor einer Beziehung lernst, deine Sexualität unter Kontrolle zu haben, dann wird es äußerst schwierig werden, wenn du dich in einer Beziehung befindest und dein Partner mal keine Lust mehr hat oder es aufgrund anderer Faktoren nicht funktioniert.

Zum Beispiel rät der Frauenarzt, die ersten 6 Wochen nach der Entbindung eines Kindes keinen Sex miteinander zu haben.  Abgesehen davon ist man als Frau auch selten in der körperlichen Verfassung, sofort wieder damit anzufangen. Dafür gibt es zudem einige hormonelle und körperliche Ursachen bei der Frau, die diese Unlust noch verstärken können – auf die ich hier aber nicht genauer eingehen will. Was dann? Mindestens 6 Wochen Sex-Abstinenz aushalten oder fremdgehen? Und glaub mir, letzteres passiert.

Was wenn der Partner einen Unfall hatte und es monatelang einfach nicht geht? Was wenn Medikamente die Libido deines Partners beeinflussen? Er oder sie diese Medikamente aber aufgrund einer schweren Depression nehmen muss? Was dann?

Dann kann diese Sache, diese eine oft so überbewertete und dennoch wunderschöne Sache – SEX – die Beziehung vor eine nicht unbedeutende Zereißprobe stellen. Und nicht jede Beziehung überlebt das.

 

Zwei Empfehlungen, damit eine Beziehung sexlose Phasen positiv meistert:

Sexfasten – Nehmt euch als Paar Zeiten, wo ihr bewusst auf Sex verzichtet und lenkt in dieser Zeit euren Fokus auf andere Dinge, die euch als Paar vereinen.

Lernt in sexabstinenten Stunden, Tagen, Wochen und Monaten Intimität und Romantik neu! – Haltet eine Stunde lang Händchen. Schlaft  zusammen gekuschelt ein. Führt Date Nights wieder ein und geht regelmäßig miteinander aus. Schaut euch minutenlang innig in die Augen. Lest gemeinsam ein Buch und redet danach darüber. Kauft euch neue Bettwäsche und/oder veranstaltet eine Kissenschlacht. Nehmt ein gemeinsames Bad mit gaaanz viel Schaum. Keine Ahnung was noch! Werdet kreativ und tut Dinge, die ihr am Anfang eurer Beziehung dauernd hättet machen können.

 

Und wenn du noch Single bist? Dann lerne heute diszipliniert mit deiner Sexualität umzugehen – was auch immer das für dich konkret bedeutet.

Ich muss abschließen, denn mein Mann ist gerade nach Hause gekommen 🙂 !

 

 

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